
AO Tennis 2 – Ein solider Aufschlag mit kleinen Doppelfehlern
Getestete Plattform: Nintendo Switch
Entwickler: Big Ant Studios
Herausgeber: Nacon, Bigben Interactive
Einführung
AO Tennis 2, entwickelt von Big Ant Studios, ist die Fortsetzung des ersten offiziellen Spiels zur Australian Open. Es erschien im Januar 2020 für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC. Während das erste Spiel eher durchwachsene Kritiken bekam, verspricht AO Tennis 2 viele Verbesserungen – insbesondere für Fans realistischer Tennissimulationen. Doch wie gut gelingt der Return?
Gameplay – Simulation trifft Arcade
AO Tennis 2 bietet einen Mix aus realistischer Tennis-Action und zugänglichem Gameplay. Der Spieler kann präzise Ballwechsel führen, die auf Taktik, Stellungsspiel und Timing basieren. Anders als in eher arcadigen Titeln wie Virtua Tennis verlangt AO Tennis 2 eine gewisse Lernkurve. Das Timing beim Schlagen ist entscheidend – zu früh oder zu spät, und der Ball segelt ins Aus oder landet im Netz.
Die Steuerung ist insgesamt gut, aber nicht immer intuitiv. Gerade Anfänger werden sich zu Beginn schwer tun, den Ball exakt zu platzieren. Mit etwas Übung entwickelt man aber schnell ein Gespür für Winkel, Topspin oder Slice.
Pluspunkt: Die Animationen der Spieler sind deutlich verbessert worden im Vergleich zum Vorgänger.
Karrieremodus – Aufstieg vom Nobody zum Champion
Der Karrieremodus ist das Herzstück des Spiels. Man erstellt einen eigenen Spieler – mit überraschend vielen Anpassungsmöglichkeiten – und führt ihn durch Qualifikationen, kleinere Turniere bis hin zu den großen Grand Slams.
Besonders lobenswert: AO Tennis 2 integriert Rollenspiel-Elemente. Man verwaltet Finanzen, Sponsoren, das eigene Team und trifft Entscheidungen, die die Karriere beeinflussen. Auch Medieninterviews und Tagesabläufe sind Teil des Ganzen – eine nette, wenn auch simple Ergänzung zur Match-Action.
Lizenzen – Teils real, teils erfunden
Da AO Tennis 2 nicht die vollständigen Rechte aller ATP- und WTA-Spieler besitzt, ist der Kader begrenzt. Bekannte Namen wie Rafael Nadal, Ashleigh Barty oder Angelique Kerber sind dabei – andere, wie Djokovic oder Federer, fehlen. Dafür bietet das Spiel aber umfangreiche Editoren, mit denen Fans nahezu jeden Spieler, jedes Stadion oder Trikot selbst nachbauen können.
Tipp: Dank Online-Community lassen sich zahlreiche realistische Spieler und Arenen herunterladen – ein klarer Vorteil gegenüber lizenzstarken, aber unflexiblen Sportspielen.
Atmosphäre & Präsentation
Die Spielumgebungen wirken sauber, aber etwas steril. Zuschaueranimationen und Stadionatmosphäre sind eher Mittelmaß. Auch Kommentatoren fehlen, was ein wenig Spannung raubt – gerade in langen Matches.
Grafisch ist AO Tennis 2 solide: Die Spielermodelle sind detaillierter als im ersten Teil, die Licht- und Schatteneffekte auf dem Court wirken authentisch. Dennoch bleibt das Spiel hinter den großen Sportspiel-Produktionen von EA oder 2K zurück.
Technik & KI
Die KI-Gegner verhalten sich realistisch und stellen eine echte Herausforderung dar – insbesondere auf höheren Schwierigkeitsgraden. Man merkt: Gegner “lernen” den eigenen Spielstil mit der Zeit und reagieren zunehmend variabler. Allerdings ist die KI nicht frei von Aussetzern: Gelegentlich gibt es kuriose Bewegungen oder unerklärliche Fehler.
Stabilitätsprobleme oder gravierende Bugs sind selten, die Ladezeiten könnten jedoch kürzer sein.
Fazit – Für Tennisfans eine gute Wahl
AO Tennis 2 ist kein perfektes Spiel, aber eines mit Herz, Ambitionen und einer starken Community. Wer sich an der etwas steifen Präsentation und der mäßigen Kommentarlosigkeit nicht stört, bekommt eine der besten Tennissimulationen der letzten Jahre.
Der Karrieremodus macht Spaß, das Gameplay belohnt Präzision und Geduld, und dank umfangreicher Editoren ist das Spiel sehr individuell gestaltbar. Für Einsteiger ist die Lernkurve anfangs steil, aber wer durchhält, wird mit authentischen und spannenden Matches belohnt.
Bewertung:
Ein technisch solider Tennis-Titel mit viel Tiefe – nicht für jedermann, aber ein Muss für Fans des weißen Sports.
